Es war still gegen 20 Uhr, die Augen des Publikums waren auf das überdimensionale Bühnenbild des knallroten Porsche- Bulldogs geheftet, der zu den drei Musikern von "Halb 6" gehört wie ein unverzichtbares Maskottchen. Plötzlich beginnt der Motor zu bubbern. Es huschten die Schatten der Musiker an ihre Plätze: Jürgen Litzka und die beiden Brüder Peter und Günter Seim, zwei Gitarristen, einer spielt auf dem Akkordeon. Das Singen à cappella oder zu ihren Instrumenten ist allen gemeinsam wie die unaufhörlich sprudelnden Ideen. Hinein integriert genau in den Tempomat des ratternden Taktes der alten Maschine die erste Ballade: "Was bleibt sind die alten Freunde". Von Null auf 180 schnellt das Publikum - wie hätte man ein Intro stimmungsvoller gestalten können? So gehörte der erste Part dieser unvergesslichen Geburtstagsfeier der Mundartgruppe "Halb 6". Zehn Jahre stehen sie in dieser Formation auf der Bühne. Kostproben ihrer mitreißenden Stücke trieben das Barometer kontinuierlich nach oben.
Außer Rand und Band geriet das Publikum, als "Mucho Gambo" ihr fetziges Spiel begann. Auf der Bühne blieben die drei Musiker von "Halb 6", hinzu kam Bruno Frank. Seit "Mucho Gambo" vor zehn Jahren den Schlusspunkt setzte, hat der Schlagzeuger keine Musik mehr gemacht. An diesem Abend tauchte er wieder ein in die Welt von Tönen und rhythmischem Applaus. Ließ die Sticks wirbeln, Snare und Drums krachen - es war eine Wucht wie "Mucho Gambo" mit Oldies aus Rock und Pop wieder zum Leben erwachte. "Nur für diesen Abend!" das stand von Anfang an fest für die Musiker, die zu dritt mit "Halb 6" weiter den Mundart -Kurs verfolgen werden.
Zurück auf die Bretter von Engelrod, wo "Mucho Gambo" über Jahrzehnte seine absoluten Hochzeiten erlebte. Wo einer auf keinen Fall fehlen durfte: Opa Heinz, Urvater der "Mucho Gambos". Bald wird er 80. Von Kind auf machte er Musik. Bereits mit sechs Jahren stand sein eigener Sohn Günter als erster der beiden Brüder mit Vaters "Mucho Gambo" auf der Bühne. Als Opa Heinz jetzt in Engelrod sein Akkordeon schulterte, wurde der Beifall frenetisch. Nicht nur seine Söhne schauten in den Momenten, in denen Opa Heinz gemeinsam mit der Band alte Hits aus den 60ern zurück holte, lieber in eine andere Richtung. "Manchmal muss man eben einfach losheulen und dann ist es gut so", war sich einer der Fans ziemlich sicher. Zurück katapultiert wurden die Besucher des komplett gefüllten Dorfgemeinschaftshauses in alte Zeiten. Insbesondere die Spezialität der Musiker von "Mucho Gambo" war bei vielen lebendig vor Augen: Jedes Mal, wenn die Konzerte offiziell zu Ende waren, hatten Günter, Peter, Bruno und Günter das Bad in der Menge genossen. Dann wurde im Gewühle unplugged gespielt bis zum Umfallen. Ein Fan hatte jetzt in Engelrod das alte T-Shirt von "Mucho Gambo" angezogen. Ein anderer dagegen, hatte es, wie man hören konnte, wieder in den Schrank zurück gelegt: "Eure Gesichter waren auf meinem Bauch auf einmal so breit!!!"
Zeit vergeht, Zeit verändert. In solch munterer Atmosphäre an Stehtischen oder auf Bänken wurden Anekdoten wach im Publikum. Oder bei den Musikern eine wie diese: Erinnerung an die glühende Hitze, zum Soundcheck ging es ins 2000-Mann-Zelt des Feuerwehrfestes im hohen Vogelsberg: In kurzen Hosen waren die Musiker gekommen. Kurz vor dem Konzert umziehen. Wenn es auch zum Verplatzen war, aber Peter bekam seine Jeans einfach nicht zu... Bis ihm klar wurde, dass er die von seiner Frau eingepackt hatte. Hieß: Konzert machen in kurzen Hosen wie ACDC.
Am Ende des "Mucho Gambo"- Konzerts sangen junge Erwachsene mit den Musikern das Abschiedslied: Es waren die eigenen Kinder der Musiker. Im Anschluss sorgte "Schock non stop" mit Hard Rock für den fetzigen Übergang in die Welt der jungen Generationen. Mit dabei Sängerin Jule Litzka - Tochter eines Musikers von "Halb 6" und "Mucho Gambo".
Quelle: Lauterbacher Anzeiger